Mittwoch, 30. Januar 2013

Zwei Arten von Haushaltskonsolidierung

Es gibt zwei Wege aus der Schuldenkrise der Sozialstaaten: Einnahmen, d.h. vor allem Steuern, erhöhen oder Ausgaben senken. Für die Linken, die in ihrer großen Mehrheit zur Klasse derjenigen gehören, die Steuern nicht erarbeiten, sondern von ihnen leben, gibt es nur ein Einnahmeproblem des Staates, das mit einer Verschärfung des Steuerdrucks zu lösen ist. Die Reduktion der Staatsausgaben wird von ihnen verteufelt mit der stereotypen Behauptung, das sei ein "Kaputtsparen".

Am Beispiel von Großbritannien, das die linke Variante des Budgetausgleichs praktiziert, und von Estland, das ein liberales Sanierungsprogramm verfolgt, sollen die beiden Modelle miteinander verglichen werden. Siehe dazu den Artikel von Matthew Melchiorre Not All Austerity Is Equal, aus dem die folgenden Grafiken stammen:



Das Vereinigte Königreich hat in der Schuldenkrise die Staatsausgaben stark erhöht, um "Nachfrage zu schaffen" und gleichzeitig die Steuern angehoben, um zusätzliche Schulden zu vermeiden. In Estland wurden die Staatsausgaben drastisch gesenkt und das erlaubte sogar eine Steuersenkung bei gleichzeitigem Schuldenabbau. Die Wirkungen dieser Maßnahmen sind eindeutig.




Eine Reduktion der Staatsausgaben ist kein "Kaputtsparen", sondern ein Gesundsparen der Volkswirtschaft.

Kommentare:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

"Häufig wird die Volkswirtschaft mit einem verschuldeten Einzelhaushalt verglichen, der durch Sparmaßnahmen seine Kredite verringert. Dies ist zwar für Einzelelemente einer Volkswirtschaft möglich, jedoch nicht in der Gesamtbilanz aller Teilnehmer. In der gesamten Volkswirtschaft muss die Summe der Geldvermögen immer gleich groß sein wie die Gesamtverschuldung, da Vermögen auf der einen Seite Schulden auf der anderen Seite bedeuten. In unserem Geldsystem steigen die Geldvermögen durch die Verzinsung an, weshalb die Verschuldung um den gleichen Betrag wachsen muss. … Ein Rückgang der Kreditaufnahme würde zu einem fallenden Zinssatz führen, weil sich der Zins aus Angebot und Nachfrage nach Krediten bildet. Fällt nun der Zinssatz unter eine Mindesthöhe (Liquiditätsgrenze), kommt es zu einer Deflation, also einem Rückzug des Geldes, weil niemand bereit wäre, überhaupt noch Kapital ohne Mindestverzinsung zu verleihen. Die Folgen wären Massenarbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung, Hunger und Bürgerkrieg. Die Neuverschuldung dient letztlich dazu, den Zinssatz auf genügender Höhe zu halten, um ein Abgleiten der Volkswirtschaft in die Deflation zu verhindern."

Günter Hannich, 2006

Selbstverständlich ist (nicht nur) der Verschuldungszwang nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform zu beseitigen. Dem "Normalbürger" ist das nicht selbstverständlich, weil er eben nicht normal, sondern religiös ist:

Der Weisheit letzter Schluss

Anonym hat gesagt…

@Wehmeier
Religiös sind eher Spinner, die diverse Blogs mit so einem Schwachsinn zuzumüllen versuchen.

Zum Artikel:
Wenig Staatsausgaben sind allein schon deshalb sinnvoll, weil jedes Eingreifen des Staates in den Markt zu einer suboptimalen Resourcenallokation und damit zu Wohlstandsverlust führt.

Anonym hat gesagt…

@Wehmeier
Die Unterstellung, dass ohne staatliche Kreditnachfrage gar keine Kreditnachfrage bestünde, ist lächerlich. Tatsächlich besteht das Problem darin, dass der Staat mit seiner Kreditnachfrage private Kreditinteressenten verdrängt, weil er höhere Zinsen zahlen kann. Die Folge ist: die Kreditgelder gehen beim Staat meist in konsumtive Verwendungen, mit denen man Wählerstimmen kaufen kann, während sie bei den verdrängten privaten Nachfragern in volkswirtschaftlich wertvolle produktive Investitionen gegangen wären.